ÜberUnterWasser
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-1- Pack ma's

Posted in Stationen
Eiskalter Regen, schwerer, grauer Himmel und fieser Wind der bis auf die Knochen geht – kein besserer Zeitpunkt, sich zu verabschieden, als genau jetzt. Ich sitze am Wipkinger Bahnhof und da ich selbstverständlich meine Flughafen-S-Bahn verpasst habe, habe ich nun genug Zeit, meinen Gepäckberg zu begutachten und mir zu überlegen, wie ich das alles die nächsten 11 ½ Wochen durch Asien ziehen werde. 2/3 allein sind Tauchzeug und Technik, ein weiteres Sechstel Bücher. Habe ich eigentlich Klamotten dabei? Egal, gibt’s auch da unten. Ein grosser Reiserucksack, ein unwesentlich kleinerer mit Kamera- und Elektronikkrempel und mein Handgepäck-Trolley. Irgendwie habe ich es geschafft, mein gesamtes Tauchgepäck so zu komprimieren, dass es samt und sonders in besagten Trolley passt. Leider hat dieser durch die Verdichtung das spezifische Gewicht von Blei angenommen. Im weiteren Verlauf der Reise wird das zu ein paar amüsanten Gesichtsausdrücken führen, wenn irgendjemand versucht, das Köfferchen leichthändig hochzuheben.

Erfreulicherweise erlässt mir Thai Airways eine monströse Gebühr für Übergepäck, obwohl sie mir im Vorfeld nicht einmal Tauchgepäck bewilligen wollten. In einem der seltenen Sonnenstrahlen in der Abflughalle setzt zum ersten Mal seit langem ein Gefühl der Entspannung ein und bald darauf finde ich mich in einem bonbonbunten Flieger wieder. Könnte nicht besser sein.

Nach wunderbar ruhigen, kulinarisch erstaunlich erfreulichen 11 Stunden lande ich um fünf Uhr morgens in einem anderen Universum: der Bangkoker Flughafen ist eine blendende Luxuswelt, in der ich einen geschlagenen Kilometer an einer Nobel-Boutique nach der anderen entlang zu meinem nächsten Gate laufe. Erschlagen von Glanz und Glamour suche ich mir ein ruhiges Eckchen. Nicht lange und ein junger Chinese setzt sich zwei Sessel weiter und fragt mich bald in äusserst rudimentärem Englisch nach der korrekten Schreibweise eines englischen Wortes. Also kommen wir ins Gespräch. Als ich meine Nationalität rausrücke, strahlt er mich an:

„Ooh, home of Shiteler!“

Bitte, wer?

„Shiteler!“ Schaut mich verständnislos an. Den muss man doch kennen!

„I love Shiteler!“

Ich grübele und komme zu keinem Ergebnis. Schliesslich tippt er den Namen in seinen Rechner und wen haben wir da? Hitler.

Moment, was?

„Hitler? You love Hitler??“

„Yesyes! Great man. Much success!“

„No! Not great man! Awful man!“ Ich versuche eine Weile, ihm zu erklären, was Sache ist, aber da ist nix zu machen, er bleibt bei seiner Bewunderung. Ich habe schon mal gelesen, dass es in Asien durchaus einige Regionen gibt, die ein etwas verzerrtes Bild unserer Geschichte haben und das Dritte Reich noch glorifizieren. Aber dem tatsächlich zu begegnen ist noch mal was Anderes. Ich beschliesse, dass ich diese Diskussion morgens um sechs im Transit nicht brauche, gebe ihm den Tipp, sich doch noch mal etwas genauer mit der Geschichte zu beschäftigen, pack meinen Krempel und verziehe mich.

Shiteler. Love that word play.

 

Weitere acht Stunden später sitze ich im Taxi vom Flughafen Denpasar, Bali, zu dem Hotel in Sanur, wo ich mich mit meiner Cousine Sylvia treffe. Am Rückspiegel baumelt ein Amulett mit Swastika in der Mitte. Erst traue ich meinen Augen nicht, dann aber, als vor dem Fenster ein Swastika-Guesthouse nach dem anderen vorbeizieht, erinnere ich mich, dass es ja ein zentrales Symbol im Hinduismus ist und Bali schliesslich zu 95% hinduistischen Glaubens. Ich brauche eine Weile, bis ich mich dazu entschliesse, dass ich die permanente Konfrontation mit diesem Symbol nicht höchst irritierend finde, sondern eher erfreulich, dass es eben doch noch Regionen auf der Welt gibt, in denen sich nicht alles um die deutsche Geschichte dreht. Ausserdem ist der erste Deutsche, der meinem Fahrer einfällt, nicht Shiteler, sondern „Mikael Black“.


02:45 - 12 March 2013 - post comment

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